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Weinplanet in Elsterwerda

“Weinplanet“ nannte John seine für Elsterwerdaer Verhältnisse – die Stadt im Brandenburger Landkreis Elbe-Elster hat gerade mal 8.000 Einwohner – ziemlich große, stilsichere Vinothek…

Zu Besuch im Weinplanet in Elsterwerda

Matthias John hat das Unternehmer-Gen. Wäre er – sagen wir mal – in Erlangen im BRD-Bundesland Bayern statt in Elsterwerda im DDR-Bezirk Cottbus aufgewachsen, er hätte wahrscheinlich schon während der Schulzeit seine erste Firma gegründet. Doch an sowas war im Arbeiter-und-Bauern-Staat nicht zu denken. John lernte Installateur, ging zur Armee, Sanitätsdienst, brachte es bis zum Feldwebel. Ein technisches Studium, das ihn zum Ingenieur machen sollte, brach er ab. „Zu viele rote Fächer.“ Und weil er das auch nicht verschwieg, blieb ihm nur noch der Knochenjob als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Fünf Jahre lang fuhr John mit seinem SMH-Barkas B1000 dorthin, wo er gebraucht wurde: Asthmaanfälle, Herzattacken, Knochenbrüche. Er erlebte Wohnungsbrände und Verkehrsunfälle, deren Bilder ihm lange nicht aus dem Kopf gingen. Im Mai 1988 schließlich, Matthias John war inzwischen 26, bekam er einen Gewerbeschein und durfte einen Kiosk betreiben. „Die DDR war nur noch im Suff zu ertragen“, grinst er, „und ich war mit meinem Lädchen der Alkoholversorger Nummer eins in Elsterwerda.“

Wie bizarr die Situation in der DDR kurz vor deren Ende war, schildert der Mann mit dem Kurzhaarschnitt und dem Hang zu auffälligen Hemden an einem Beispiel: „Zweimal war ich mit meinem Kiosk sogar im Fernsehen – sozusagen als Beispiel, wie Selbstständigkeit hilft, Versorgungslücken zu schließen.“ Nach dem, was heute Wende heißt, tatsächlich aber der Zusammenbruch eines gesellschaftlichen Systems war, startete Matthias John dann richtig durch, wurde Gastrounternehmer, Getränkehändler, Diskothekbetreiber. Und er blieb nicht der einzige in Elsterwerda und Umgebung, der dem Rausch der neuen Gründerzeit erlag. Der jedoch hielt nicht lange an. Die Arbeitsämter wurden voller, die neuen Bistros, Clubs und Restaurants leerer, die ersten Betreiber warfen das Handtuch. John sah die Krise als Chance. Er mietete eine Halle, kaufte die benutzten, aber nicht mehr gebrauchten Küchengeräte, reinigte und reparierte sie und zog ein Gastro-Second-Hand-Geschäft auf. 1996 Gründung der as-gastro GmbH und Umzug nach Berlin. Heute: 15 Mitarbeiter, moderne Büros, eine Versuchsküche, ein SB-Gerätemarkt, Küchenplanung und -ausstattung. Eine Erfolgsgeschichte.

Inzwischen ist er 56, ein Alter, in dem andere längst daran denken, kürzer zu treten. Nicht so Matthias John. Getreu seinem unternehmerischen Motto „Nicht quatschen, machen“ baute er in seiner Heimatstadt Elsterwerda eine Weinhandlung auf. Freunde, Bekannte, Nachbarn und Geschäftspartner staunten nicht schlecht, als sie Anfang September eine Einladung zur Eröffnung erhielten: „Entgegen dem Trend in unserer strukturschwachen Region möchte ich Ihnen das Thema Wein im entsprechenden Ambiente mit Verkostungen und einer exklusiven, wechselnden Auswahl an Weinen aus aller Welt näherbringen.

“Weinplanet“ nannte John seine für Elsterwerdaer Verhältnisse – die Stadt im Brandenburger Landkreis Elbe-Elster hat gerade mal 8.000 Einwohner – ziemlich große, stilsichere Vinothek, in der derzeit 210 Weine aus allen großen Weinbauländern Europas und aus Übersee Platz haben. Bei den deutschen Gewächsen sind natürlich Saale-Unstrut und Sachsen stark vertreten – darunter Klassiker wie die Weingüter Schloss Proschwitz, mit rund 90 Hektar das größte private Weingut Sachsens und Drei Herren in Radebeul oder der Saale-Unstrut-Spitzenbetrieb von André Gussek in Naumburg.

Matthias John und seine Beraterin Silke Altmann, die aus Dresden stammt, in Geisenheim Weinbau studiert hat und danach ins Elbtal zurückkehrte, punkten allerdings auch – ganz heimatverbunden – mit einigen jungen Winzern der Region: Matthias Hey vom Weingut Hey in Naumburg, Matthias Schuh vom Weingut Walter Schuh im sächsischen Sörnewitz, Tim Strasser, Chef des Rothen Gutes Meißen oder Jan Ulrich vom gleichnamigen Weingut in Diesbar-Seußlitz, einem Dorf an der Elbe nördlich von Meißen.

„Und das alles in Elsterwerda?“, fragen wir skeptisch. Matthias John antwortet mit einem Alten Griechen: „Wo der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.“

Weinplanet

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Springhornweg 5
04910 Elsterwerda
www.weinplanet.com

www.as-gastro.de

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