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Hering – Das Silber der Meere 2021

Der Hering wurde Fisch des Jahres 2021

Die Deutschen – eine Nation von Fischessern? Man könnte den Eindruck gewinnen angesichts der Schlangen vor den stationären oder mobilen Fischtheken hiesiger Super- und Wochenmärkte und eines jährlichen Umsatzes der Branche von knapp vier Milliarden Euro. Aber diese Zahl und die Bilder täuschen.

Pro Kopf und Jahr werden in Deutschland lediglich rund 14 Kilogramm Fisch gegessen. Damit liegt der Fischkonsum hierzulande sechs Kilogramm unter dem weltweiten Mittel und ist weit entfernt von den Spitzenreitern. In der EU beispielsweise sind die Portugiesen die größten Fischliebhaber. Ihr jährlicher Pro-Kopf-Verzehr beträgt etwa 60 Kilogramm – das entspricht übrigens der Menge an Fleisch, die – statistisch gesehen – jeder Deutsche im Jahr konsumiert.

Die aktuelle Beliebtheitsskala wird nach Angaben des Hamburger Fischinformationszentrums vom Alaska-Seelachs angeführt, gefolgt von Lachs und Thunfisch. Auf Platz vier schließlich der Hering – sein Marktanteil schwankt zwischen 15 und 20 Prozent – das heißt, 15 bis 20 Prozent des in Deutschland angebotenen Fisches entfallen auf Heringe und Heringsprodukte. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt bei zwei Kilogramm pro Jahr, die Tendenz ist leicht fallend.
Das allerdings war nicht der Grund, weshalb der Hering vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV), dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) zum Fisch des Jahres 2021 gewählt wurde.

Ganz im Gegenteil. Bei dieser Wahl geht es nicht um mehr Konsum, sondern – wie es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Jury heißt – „um verstärkte Aufmerksamkeit für einen Fisch und seine Gefährdung als auch für die Bedrohung der biologischen Vielfalt im Meer insgesamt.“

Seit 1984 küren DAFV, VDST und BfN den Fisch des Jahres. Fiel die Wahl zu Beginn noch auf solche seltenen Arten wie Bachschmerle, Bitterling und Schlammpeitzger, gerieten mit der Zeit immer öfter auch beliebte Speisefische in den Fokus der Juroren – etwa der Kabeljau (1993), der Atlantische Lachs (1992, 2000 und 2019), der Europäische Aal (1995 und 2009), der Hecht (2016), die Flunder (2017) oder in diesem Jahr eben der Hering.

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel, begründete die Wahl: „Der Hering spielt in den Ökosystemen unserer Meere, ob in Nord- und Ostsee oder im Nordatlantik, eine entscheidende Rolle: Er stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen verschiedenen Ebenen des Nahrungsnetzwerkes dar und dient zum Beispiel als Nahrungsgrundlage für Dorsche, Robben und Schweinswale.“

Besonders ins Blickfeld rückte Deutschlands oberste Naturschützerin dabei den Ostseehering: „Obwohl es sich eigentlich um eine sehr häufige Fischart handelt, ist der Bestand des frühjahrslaichenden Herings der westlichen Ostsee von 300.000 Tonnen in den 1990er Jahren auf 60.000 Tonnen im Jahr 2020 gesunken.“

Angesichts dieser Zahlen läuteten auch bei internationalen Organisationen die Alarmglocken. So senkte etwa der Europäische Fischereirat bereits in den letzten Jahren die Fangquoten für die Berufsfischerei – zuletzt im Oktober 2020 um 50 Prozent. Und der Internationale Rat für Meeresforschung empfahl sogar, die Fischerei in der westlichen Ostsee vorübergehend einzustellen, um eine Erholung der Heringsbestände zu ermöglichen.

Doch selbst das würde den Fortpflanzungserfolg des Heringsbestandes in der Ostsee nicht dauerhaft gewährleisten. Gefährdet ist der Schwarmfisch auch durch die Erhöhung der Meerestemperatur infolge des Klimawandels. Durch die gestiegenen Temperaturen bereits im zeitigen Frühjahr schlüpfen die Larven, bevor ausreichend Nahrung verfügbar ist und verhungern.

Hinzu kommen die hohen Nährstoffkonzentrationen in der Ostsee, die durch Düngemittel verursacht werden, die über die Flüsse ins Meer gelangen. Sie führen zu einem starken Wachstum einzelliger Algen und damit zu weniger Licht im Wasser. Die Folge: Größere Algen wachsen nicht mehr und den Heringen fehlt das nötige Laichsubstrat.

Weniger problematisch ist die Situation des Herings in anderen Teilen seines Verbreitungsgebietes, das sich von der Küste des US-Bundesstaates South Carolina über das südliche Grönland, Island, Spitzbergen, das russische Nowaja Semlja, die Nord- und Ostsee bis in den Golf von Biskaya erstreckt und der deswegen auch Atlantischer Hering heißt.

Kaum eine andere Fischart hat eine so große wirtschaftliche Bedeutung wie der Hering – und das schon seit mehr als 1.000 Jahren, seit Menschen die Möglichkeit seiner Konservierung durch Salz entdeckten. Allein in Deutschland landen Berufsfischer derzeit jährlich rund 69.000 Tonnen Heringe an, 52.000 Tonnen davon werden übrigens außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer gefangen.

Einer der größten Abnehmer ist die Deutsche See Fischmanufaktur. Das 1939 gegründete Unternehmen mit Sitz in Bremerhaven gehört seit drei Jahren zur niederländisch-deutschen Parlevliet & Van der Plas-Gruppe und beliefert rund 35.000 Kunden – Supermärkte und Feinkostgeschäfte, Sterne- und Kantinenköche sowie Caterer aller Couleur – mit rund 3.500 Produkten: Frisch-, Räucher- und TK-Fisch, Feinkost und sonstige Spezialitäten. Darunter sind jährlich auch mehrere tausend Tonnen Heringe und Heringsprodukte. „Sie haben ihren Ursprung in der Nordsee und im Nordatlantik“, so die Pressesprecherin des Unternehmens Martina Buck, „wobei die Fangmengen sich an wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren, um eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige Nutzung der Heringsbestände zu ermöglichen.”

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