Wie „California Pops“ Brandenburgs Eis-Szene erobert – Erfrischendes aus Ludwigsfelde
Es gibt in Brandenburg einige Städte, die im Verlauf des letzten Jahrhunderts ihr Gesicht völlig verändert haben – etwa Eisenhüttenstadt, Schwedt/Oder – und natürlich Ludwigsfelde. Ende der 1920er-Jahre war Ludwigsfelde noch ein beschauliches Dorf mit rund 350 Einwohnern. Mit der Ansiedlung eines Flugmotorenwerks der Daimler-Benz AG im Jahr 1935 begann der rasante Wandel zur Industriestadt.
Industriegeschichte: Vom Flugmotor zum W50
Nach der Zerstörung des Werkes im Zweiten Weltkrieg entstand 1952 auf dem Gelände ein neuer Betrieb. Zu DDR-Zeiten wurden hier Schiffsdiesel, Motorroller und ab 1965 vor allem Lkw des Typs W50 produziert – insgesamt weit über 500.000 Fahrzeuge. Am 17. Dezember 1990 rollte der letzte W50 vom Band. Der traditionsreiche Standort wandelte sich anschließend zu einem Industriepark. Heute werden hier wieder Fahrzeuge montiert, Turbinen instandgesetzt, Teile für Tesla gepresst – und in einer ehemaligen Kantine des früheren VEB IFA-Kombinat Nutzkraftwagen entsteht eine ganz besondere Spezialität: Eis am Stiel.

120 Jahre Stieleis: Eine zufällige Erfindung
Bevor wir uns den Ludwigsfelder Eis-Machern widmen, lohnt ein Blick zurück: Das Stieleis feiert in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag. Im Februar 1905 stellte der elfjährige Frank Epperson in San Francisco eine Limonade aus Wasser und Sirup her. Er vergaß das Glas mit dem Rührstäbchen über Nacht draußen – bei Minusgraden. Am nächsten Tag war die Mischung gefroren. Das Stieleis war geboren. 1923 meldete Epperson seine Erfindung unter dem Namen Popsicle in Oakland, Kalifornien, zum Patent an. Ein Rechtsstreit mit dem Konditor Harry Burt aus Ohio folgte. Burt hatte bereits ein Jahr zuvor seine „Good Humor Bar“ patentieren lassen. Man einigte sich schließlich: Das „Popsicle“ blieb zylindrisch, die „Good Humor Bar“ rechteckig.

Stieleis in Deutschland: Der Siegeszug aus Hamburg
In Deutschland nahm die industrielle Produktion von Eis am Stiel in Hamburg Fahrt auf. Der Gastronom Hinrich Uhde produzierte Mitte der 1930er-Jahre erstmals industriell „Eislollis“. 1935 stieg Unternehmer Karl Seyferth ins Eisgeschäft ein und verkaufte die Namensrechte an Viktor Langnese. Die Langnese-Eiskrem GmbH produzierte bereits 1937 rund 20 Millionen Stück jährlich. Nach dem Krieg avancierte Langnese mit Klassikern wie: Capri (1959), Nogger (1963) & Magnum (1988) zum Marktführer in Deutschland.

Von der Filmkulisse zur Eis-Manufaktur
Die Geschichte der Ludwigsfelder Stieleis-Manufaktur beginnt vor gut zehn Jahren im Filmpark Babelsberg. Dort arbeitete Jörg Ellmer als Stuntman – unter anderem für Produktionen wie: Inglourious Basterds, Babylon Berlin, Manta Manta – Zwoter Teil & Jenseits der Spree Auf der Suche nach einem zweiten Standbein entwickelte er die Idee, selbst Stieleis herzustellen. Er investierte in Technik und gründete die Produktionsfirma two in one production UG – ein Mann, zwei Berufe.

Expansion nach Berlin und Umzug nach Ludwigsfelde
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. 2015 eröffnete Ellmer zwei Stieleisdielen in Berlin. Drei Jahre später holte er seine Jugendfreundin Annett Achtzehn ins Boot – Kommunikationsdesignerin, Fotografin und erfahren im Zeitungsgeschäft. Gemeinsam suchten sie nach einem größeren Produktionsstandort – und fanden ihn im Industriepark Ludwigsfelde in der Gottlieb-Daimler-Straße. Folgende Vorteile kristallisierten sich heraus: mehr Produktionsfläche, großzügige Lager- und Büroräume & bessere Anfahrt- und Parkmöglichkeiten. Heute beschäftigt das Unternehmen sieben Mitarbeitende.

California Pops: Handwerk, Fairtrade und Regionalität
Unter der Marke California Pops produziert die Manufaktur elf Sorten dauerhaft – ergänzt durch saisonale Kreationen:
Klassiker: Erdbeere, Mango, Zitrone & Schokolade
Kreative Sorten: Cheesecake Blueberry, Joghurt-Himbeere, Buttermilch-Limette & Salzkaramell
Wintereditionen: Zimt & Spekulatius
Die Besonderheiten sind, dass sie mit weniger Zucker als Industrieprodukte auskommen, ausschließlich aus Fairtrade-Rohrzucker, Früchte aus kontrolliertem Anbau & Milchprodukte von Brandenburger Bauern bestehen und keine künstlichen Aromen enthalten. 2025 produzierte das Unternehmen rund 200.000 Eis am Stiel – ein Rekordjahr.

Noch mehr dazu finden Sie in der GARÇON-Ausgabe Nr. 69!
Wer es rundum frisch und nass mag, und dabei nicht auf Comfort verzichten möchte, hier der Tipp:


