Berliner Eisgeschichte

Die Elektrizität hatte es nicht leicht in Berlin

– genauer gesagt, ihre Anwendung hinkte Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts etwa gegenüber amerikanischen und englischen Großstädten noch ziemlich weit hinterher. So richteten die Berliner Elektrizitäts-Werke im Mai 1911 ein „dringendes Mahnwort“ an die hauptstädtischen Hausbesitzer, „die Zeit der Sommerreisen und die Abwesenheit ihrer Mieter zu nutzen, um die Herstellung von Hausanschlüssen, Treppenbeleuchtungen und Steigleitungen zu den einzelnen Wohnungen vorzunehmen!“ Im selben Jahr installierte die AEG bei 50 ihrer Mitarbeiter, die bereits Hausanschlüsse und Steigleitungen besaßen, einen im Unternehmen entwickelten Elektroherd, um ihn im Dauerbetrieb zu erproben. Obwohl der Herd 1911 in Serienproduktion ging und seine Vorteile kräftig beworben wurden, war er noch Ende der 1920er Jahre weit weniger verbreitet als Kohle- oder Gasherde…

Die erste Eismaschine

Die erste Eismaschine

Die erste Eismaschine würde 1843 in den USA patentiert – ein handbetriebenes Gerät, das aus einer Art Butterfass bestand und von außen durch eine Schicht aus Eis und Salz gekühlt würde. Erst als solche handbetriebenen Eismaschinen, die es auch in Deutschland gab, durch größere, elektrisch angetriebene Eismaschinen abgelöst wurden – ebenfalls zuerst in den USA – konnte man so viel Speiseeis herstellen, dass die Produktion ein eigenes Ladengeschäft trug. Das vermutlich erste dieser Art in der Hauptstadt entstand vor dem Ersten Weltkrieg, befand sich in der Brückenstraße in Berlin-Mitte und wurde von dem Italiener Pietro de Pellegrini betrieben, der die Investition in eine elektrische Eismaschine – wahrscheinlich aus amerikanischer Produktion – gewagt hatte. Heute übrigens befindet sich in den Räumen von Pellegrinis Erfrischungssalon Gitti’s Bierbar – von der eisigen Geschichte der Lokalität allerdings haben die Betreiber noch nie gehört.

Gefrorenes Salon

Von Eismaschinen in Kaffeehäusern zum Eis-Boom

Erwähnt werden muss zudem, dass in einigen Berliner Kaffeehäusern schon früher elektrische Eismaschinen arbeiteten – etwa im Café Gumpert in der Königstraße, der heutigen Rathausstraße. Dort wurden neben Kaffee und Kuchen auch Speiseeis angeboten: Kugeleis in Glasschalen (die Erfindung des Eisportionierers datiert auf das Jahr 1876) und Eisbecher. Überliefert ist „Vanille mit Berliner Luft“ – Vanilleeis, Schlagsahne, Kakaopulver und gebröselter Pumpernickel sowie „Affogato“ – Espresso mit Vanilleeis, der damals wahrscheinlich noch nicht so hieß, weil der Espresso kein Espresso, sondern schnöder Kaffee war…

Eis-Boom in Bäckereien und Konditoreien

In den 1920er Jahren schließlich begann in Berlin der Boom des Eisverkaufs. Bäckereien und Konditoreien boten Eis an, und Eisdielen bzw. Eiscafes schossen wie Pilze aus dem Boden. Zwei davon gibt es heute noch: Das 1927 als Café Blotkow eröffnete Florida-Eiscafé und die Eisdiele Monheim, die 1928 an den Start ging.

See Also
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Florida Eiscafé

 

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