Kennen Sie die Südheide?

Eine kulinarische Exkursion mit Anne Wantia und Klaus Lenser

Es gibt nicht sehr viele Regionen in Deutschland in denen Natur und Kulinarik eine so genussvolle Symbiose bilden. Die Südheide, nördlich von Celle rund um Müden, ein staatlich anerkannter Erholungsort, ist ein wichtiger Teil dieses Teams. Der Ort liegt eingebettet zwischen riesigen Heide- und Waldgebieten.

Müden wurde erstmalig im 11. Jahrhundert erwähnt und ist seit Beginn der 1900er Jahre ein Ruheort und Inspiration für verschiedene Künstler gewesen – etwa für den Maler Fritz Flebbe oder den Schriftstellern Herman Löns und Richard Linde. Beide Autoren waren sehr naturverbunden und wussten die wunderbare Landschaft als auch die regionalen Spezialitäten zu schätzen.
Erwähnt sei hier beispielsweise der beliebte Heidehonig. Wegen seiner intensiven Aromen, die den Geschmack der Heide widerspiegeln, hat er viele Auszeichnungen und Urkunden erhalten.

Prägend für die Region sind die Heidschnucken-Herden. Sie dienen dem Landschaftserhalt und Naturschutz. Herden bis zu 600 Schafe sind nicht ungewöhnlich. Wer mehr über diese besondere Schafrasse erfahren möchte, kann gerne einen Schäfer für einige Stunden begleiten. Gourmets wissen das sehr schmackhafte Fleisch zu schätzen. Ein Heidschnucken-Braten gehört zu den Spezialitäten der hiesigen Gastronomie und gilt als exklusiver Genuss.

Das führt uns zu Niemeyers Romantik Posthotel mit seiner erstklassigen Küche – bereits 1877 zogen hier die ersten Niemeyers ein – wo Küchenchefs Alexander Niemeyer diese Spezialität zelebriert. Feine Schmorgerichte auch von regionalem Wild stehen hier auf dem Programm. Er ist nicht nur für den Herd verantworlich sondern leitet auch das Hotel gemeinsam mit seiner   Schwester Jessica. Familienbande seit fast 150 Jahren. Chapeau!

Das Ambiente des Restaurants „Schäferstube“ ist eine Reminiszenz an die Heimat und lädt zum Genuss mit weiteren Heidespezialitäten ein. Hier wird nicht nur auf Frische geachtet, sondern auch auf athentische und heimische Produkte. Der Küchenstil: regional, mediterran, französisch. Wer Chichi sucht, ist hier am falschen Ort. 

Die ehemalige Poststation ist natürlich auch ein sehr feines Landhotel mit parkähnlichem Hotelgarten – und das alles umgeben von der schönen Lüneburger Heide.

 

Und wenn wir schon kulinarisch unterwegs sind, mussten wir als passionierte Kuchenfans unbedingt einem Rat folgen und das CaféOle Müllern Schün“ zu besuchen. Das Bauerncafé auf dem traditionellen Heidehof, wurde besonders durch die 1. Norddeutsche Tortenmeisterin Ria Springhorn berühmt. Ihr Sohn Jasper und Ehefrau Kathrin führen das Haus ganz im Sinne der ehemaligen Besitzerin fort. Geschmack, Aroma und die Größe der Tortenstücke sind einmalig. Dafür werden nur Zutaten verwendet, die den hohen Qualitätsansprüchen des Hauses entsprechen – und das schmeckt man halt. Die einen sagen, die Champagnertorte wäre die beste, einige schwören auf die Sanddorntorte, wieder andere gehen hier lieber zum Genießer-Frühstück.   

Nach all den Kalorien empfehlen wir die wunderbaren Wanderwege – ob in den Nachbarort Faßberg, zum Denkmal der Berliner Luftbrücke oder zum Gedenkstein von Hermann Löns am Wietzer Berg. Wandern, Landschaft bewundern und Natur entdecken, das ist Südheide pur und Entspannung zu gleich.

See Also

Wer einmal hier ist, sollte unbedingt das historische Tor zur Südheide, die Stadt Celle besuchen. Diese akribisch renovierte Altstadt mit ihren historischen Fachwerkbauten ist eine Augenweide für Kultur- und Geschichtsinteressierte. Im „Provisor“, das waren einst die Helfer der Apothekenbesitzer, wird seit über 100 Jahren und zwar nur hier, der „Wunderheiltrank Alter Provisor“ nach überliefertem, bis heute geheimen Rezept, hergestellt.
Die Inhaltsstoffe des Likörs sollen angeblich eine heilende Wirkung auf Galle und Leber haben. Probieren Sie es einfach selber aus.

Exklusive kulinarische Zutaten und Gewürze findet man im Zapfhahn, dieses beeindruckende Geschäft ist ein Kleinod für alle die gerne gut essen und kochen. Wer Zeit hat genießt entspannt im Hinterhof an einem der wenigen Tische, eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein.

Eine Führung durch die ehemalige Residenz der Herzöge Braunschweig Lüneburg (Celler Schloss) ist ein unbedingtes MUSS wenn man in Celle ist. Hier wird Stadtgeschichte, Kultur und Celler Lebensart anschaulich vermittelt. Das 1674 eröffnete Schlosstheater ist noch heute das kulturelle Zentrum der Stadt. Hier spielt die Kulturszene buchstäblich die erste Geige
Auch Feinschmecker finden in Celle genussvolle Abwechslung, von der lokalen Spezialität „Celler rohe Roulade“ bis hin zum Fine Dining im noblen Hotel „Fürstenhof“.
Wie heißt es doch so passend: Ein Besuch in Celle ist eine Wohltat für die Seele.

Halten Sie es mit unserem großen Dichterfürst J. W. v. Goethe, der in seinem Gedicht „Erinnerung“ schon festhielt: Warum denn in die Ferne schweifen, siehe das Gute liegt so nah.
Bleibt anzumerken: Die Südheide mit ihrer „Metropole“ Celle ist das Gute und mehr als eine Reise wert.

Fotos: Anne Wantia, Alexander Niemeyer 

 

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