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LANSK – Feinkost und Wochenmarkt? Na Klar!

Der Wochenmarkt am unterhalb des S-Bahnhofes Zehlendorf ist kein Ort für schnelle Einkäufe, sondern ein Platz für Flaneure. Hier findet man LANSK…

Heimische Raffinesse

Ein smarter junger Mann, dem der Stolz ins Gesicht geschrieben ist, der Stolz aufs eigene Restaurant, das er wenige Tage zuvor in der nobelsten Ecke Wilmersdorfs, nahe des Fasanenplatzes, eröffnet hatte. Benjamin Rüdiger, so der Name des jungen Mannes, formulierte das kulinarische Konzept des neuen Lokals und gab ihm den Titel „Heimisch Kochen“.

Den Restaurantnamen steuerte sein Vater Gerd bei, ein bekannter Radiomann, der nach seiner Rundfunkkarriere als Medien- und Politikberater tätig war: LANSK. Das Küchenteam vermied die urkarottenhafte Strenge der neuen Regionalküche, servierte geröstete Flusskrebse mit Blumenkohl und Krustentierschaum, Steckrübensüppchen mit gebackenen Krabbenschnittchen und Hirschroulade mit Kartoffelpüree und Waldpilzen – die Gäste lobten Qualität und Raffinesse des Gebotenen und die Kritiker konstatierten: „Ein Restaurant, von dem man noch einiges hören dürfte“. Um so erstaunter war die Fangemeinde, als das LANSK 2017 Knall auf Fall schloss und kurze Zeit später in dessen ehemaligen Räumen das Faest, ein Chinarestaurant, an den Start ging.

Vom Foto zum Topf

Goerzallee und Goerzwerk in Berlin-Lichterfelde erinnern an einen der namhaftesten Berliner Unternehmer des letzten Jahrhunderts. Carl Paul Goerz (1854–1923), ein Optiker aus Brandenburg, gründete 1890 in Friedenau die Optische Anstalt C. P. Goerz und fertigte dort die erste Schlitzverschluss-Kamera der Welt.

Eine technische Sensation, weil sie das Fotografieren bewegter Objekte ermöglichte. Goerz expandierte und ließ 1915 bis 1922 in Lichterfelde das Goerzwerk bauen – eine Produktionsstätte, in der bald mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigt waren. Nach einem Jahrhundert wechselvoller Geschichte übernahm 2015 der Berliner Investor Silvio Schobinger den Gebäudekomplex und schuf ein Zentrum für junge Unternehmen.

Viele Kreativbetriebe siedelten sich an, etliche auch aus der Lebensmittelbranche. In einer stattlichen Produktionsküche treffen wir Benjamin Rüdiger – immer noch in Kochkluft, den Beruf also hat er nicht aufgegeben. „Warum auch“, lacht er, „ich bin Koch und bleibe Koch.“ Wir konfrontieren ihn mit den Gerüchten, die vor fünf Jahren nach der Schließung des LANSK kursierten: Gästemangel, Personalfrust, Insolvenz, Ende.

„Nein“, erwidert Rüdiger energisch, „an all dem ist nicht mal ein Körnchen Wahrheit, wir haben zwar keine Gewinne, aber auch keine Verluste gemacht, plusminusnull eben.“ Weshalb dann die Entscheidung, das Restaurant aufzugeben? „Letztlich war es eine Entscheidung für die Familie“, so der inzwischen 40-Jährige, „keine leichte, wahrlich nicht, aber die einzig richtige.“

Des einen Ende ist des anderen Anfang

Benjamin Rüdiger verkaufte das Restaurant und gründete mit seinem Vater Gerd und dem befreundeten Kaufmann Richard Manthey die LANSK GbR – Ziel: die Herstellung und der Vertrieb von Feinkostprodukten sowie die Organisation und die Realisierung von familiären Caterings. „Für uns nichts grundsätzlich Neues, beide Geschäftsfelder gab es auch früher schon im LANSK.“

Der samstägliche Wochenmarkt am Teltower Damm unterhalb des S-Bahnhofes Zehlendorf ist kein Ort für schnelle Einkäufe, sondern eher ein Platz für Flaneure. Man kennt sich, man grüßt sich, man trifft sich. „I’ll see you on market“, flötet eine schicke Lady in ihr Smartphone, und tatsächlich sitzt sie eine halbe Stunde später mit einer ebenso schicken Freundin am LANSK-Stand beim Champagner. LANSK fine food ist der Platzhirsch hier – der größte Stand, die meisten Sitzplätze, das vielfältigste Angebot.

 

Genüssliche Vielfalt

In der ersten Abteilung gibt es Kalbsbouletten, pur oder mit Kartoffelsalat, alles hausgemacht und von Stand-Gästen mit dem Attribut „göttlich“ bedacht. Die zweite Abteilung bietet Feinkostprodukte aus der eigenen Manufaktur: Barbecuesauce, Erdbeerketchup, Eierlikör, Lemon Curd, verschiedene Saucen- und Sirupkreationen. Die dritte Abteilung schließlich trägt die Überschrift „Wein, Winzersekt, Secco, Champagner“, und hier ist der ehemalige Radiomann Gerd Rüdiger in seinem Element.

Er präsentiert sowohl die roten und weißen Rheinhessen-Gewächse des Bermesheimer Weingutes Peth-Wetz als auch den famosen Jean-Pernet-Champagner dermaßen kenntnisreich, dass die Vermutung naheliegt, er habe sein Leben lang nichts anderes gemacht. Hat er aber. Der 72-Jährige ist ein Kommunikationsprofi, war jahrelang Moderator bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – SWR, WDR, SFB – und sagt: „Wir haben nicht nur was zu verkaufen, sondern auch was zu erzählen.“

Lebensfreude und Genuss

Das betrifft natürlich in erster Linie kulinarische Themen, aber auch wenn es um Kommunales oder Kulturelles geht, ist Gerd Rüdiger auf der Höhe der Zeit und in seinem Element. Einmal Moderator, immer Moderator. Die beiden Damen, die, so schick sie auch sein mögen, weniger der Schickeria zuzurechnen sind als dem gehobenen Zehlendorfer Bürgertum, ordern den nächsten Champagner. Unser Befund: Am LANSK-Stand kommen Genuss und Lebensfreude bestens zusammen.

LANSK AUF BERLINER MÄRKTEN
Donnerstags: Wochenmarkt auf dem Hermann-Ehlers-Platz › Berlin-Steglitz, 8.00–14.00 Uhr
Freitags: Dorfmarkt Wannsee auf dem Wilhelmplatz › Berlin-Steglitz, 14.00–18.00 Uhr
Samstags: Wochenmarkt am S-Bahnhof Zehlendorf › Berlin-Zehlendorf, 9.00–16.00 Uhr
Sonntags: Wochenmarkt in Alt-Lübars › Lübars, 11.00–18.00 Uhr
Jeden letzten Freitag im Monat: Hofmarkt im Goerzwerk › Berlin-Lichterfelde, 12.00–17.00 Uhr

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