Anfang Dezember 2023 eröffnete das erste explizit albanische Restaurant in der Hauptstadt – direkt am exponierten Viktoria-Luise-Platz in Berlin-Schöneberg. Sein Name: Kolonja.
Ergist Pelo (im Titelbild rechts) und seine Schwester Andria sind die Inhaber der vormals indischen Lokalität. Sie renovierten die Räumlichkeiten, statteten sie neu aus und gaben ihrem Restaurant den Namen Kolonja – Reverenz an ihre albanische Heimatregion. Die liegt im Südosten des Balkanlandes, nahe der Grenze zu Griechenland, ist überwiegend bergig und mit lediglich neun Bewohnen pro Quadratkilometer die am dünnsten besiedelte Gegend ganz Albaniens.

„Dieser Verpflichtung nachzukommen, ist allerdings nicht immer ganz einfach“, ergänzt der 30-jährige Ergist Pelo, der vor drei Jahren aus Ersekë, Albaniens höchstgelegener Stadt, nach Berlin kam. Was es damit auf sich hat, beschreibt seine Schwester Andria 50: „Es ist schon Wahnsinn, was die Gäste alles wissen wollen – nicht nur über die albanische Küche, sondern auch über Land und Leute, über die Geschichte Albaniens, die Architektur, das Bildungswesen, über Kunst und Kultur, über die albanische Sprache, das Klima, die Straßenverhältnisse…nach all dem sind wir schon gefragt worden.“ Und weil es so wenige Informationsquellen zu Fragen über das südosteuropäische Balkanland gibt, gelten Ergist Pelo und seine Mannschaft inzwischen als Geheimtipp für Leute, die eine Reise nach Albanien planen. „Sie sind beste Botschafter ihres Landes“, diesen Satz haben wir während unserer Besuche im Restaurant Kolonja häufig gehört.

Die Küchenchefin Mylona Malamatonia (im Bild links) ist Griechin, stammt von der Insel Kreta, hat in Heraklion ihren Beruf gelernt und steht seit 30 Jahren in verschiedenen Ländern an den Herden größerer und kleinerer Restaurants. „Griechische Küche, kretische Küche, türkische Küche, albanische Küche, sicher gibt es Unterschiede, aber so gewaltig,
wie manche meinen, sind die nicht“, erklärt sie im Brustton der Überzeugung.

Die 57-Jährige ist eine Spezialistin für alle fleischlichen Freuden, an denen es auf der Kolonja-Karte nicht mangelt. Viel Deftiges, viel Herzhaftes, viel Geschmack. Da gibt es das traditionelle Lammgericht Tavë Kosi, gekochtes Lammfleisch mit Reis, überbacken mit einer Masse aus Joghurt, Eiern und Butter, kräftig gewürzt. Oder die Albanische Pfanne: Tranchen von der Lammleber, die in einem Weißwein-Gewürzsud gedünstet werden. Unsere Favoriten: Geschmorte Kaninchenkeule in einer Teighülle mit einer Zwiebel-Tomatensauce namens Çomlek und Lakror, mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Blätterteigtaschen.

„Der Neustart nach 1990 hat sich gelohnt: Albanischer Wein hat heute ein gutes Renommee“, schreiben Michael Schmidt-Neke und Jochen Blanken in ihrem lesenswerten Aufsatz „Albanischer Wein – Geschichte und Neuanfang“ (Albanische Hefte 1/2023). Leider lässt sich das im Restaurant Kolonja nicht verifizieren – auf der Karte findet sich lediglich ein albanischer Landwein. Wir empfehlen dem Team um Ergist Pelo deshalb den Albanischen Markt in Wismar (www. amantia-shop.com), dessen Betreiber Gewächse etwa der Nurellari Winery Berat anbieten.
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