Anais empfiehlt: la belle-iloise Sardinen

„Papa, was machst du denn da?“ Mein Vater läuft mit seinem Handy durch den Laden und filmt. „Das wird ein Video für la belle-iloise“, erwidert er, „die Conserverie will nur mit uns zusammenarbeiten, wenn ihnen unser Geschäft gefällt.“

Ein paar Monate zuvor hatten meine Eltern ihren Urlaub in der Normandie verbracht, und im Hafen von Le Tréport zufällig eine der Boutiquen der Conserverie La belle-iluise entdeckt – und waren sofort total geflasht. Diese unglaubliche Auswahl an Fischkonserven, das grandiose Design der Dosen! Sie kauften, was sie tragen konnten, brachten alles nach Berlin, und zu Hause kostete sich die ganze Familie erstmal quer durch das Sortiment. Schnell waren wir uns einig: Diese Produkte brauchen wir auch bei Maître Philippe – womit wir wieder beim Videodreh meines Vaters wären. Seine Filmkünste und das Ambiente unseres Ladens kamen bei den zuständigen Leuten der Conserverie la belle-iloise – der Firmensitz ist übrigens in der bretonischen Hafenstadt Quiberon – so gut an, dass wir schnell den Zuschlag bekamen und die Konserven von la belle-iloise Einzug in unsere Regale hielten. Das ist nun 15 Jahre her, in denen wir auch immer wieder Gäste aus Quiberon begrüßen konnten …

Die Geschichte von la belle-iloise Sardinen

Die Geschichte der Conserverie la belle-iloise begann 1932 in Port Maria, dem kleinen Hafen von Quiberon. Georges Hilliet war gerade mal 22 Jahre alt, als er dort eine Konservenfabrik gründete. 15 solcher Betriebe gab es damals auf der gleichnamigen Halbinsel, entsprechend hart war der Wettbewerb. Hilliets Eigensinn ließ ihn überleben. Als beispielsweise die großen Handelsketten Einzug hielten und begannen, Tiefstpreise von den Produzenten zu fordern, erklärte er trotzig: „En aucun cas – da nehme ich lieber einen Korb und verkaufe meine Sardinen am Strand!“

Ob es wirklich dazu kam, ist nicht überliefert – sicher ist nur, dass Georges Hilliet, statt auf Dumpingpreise zu setzen, noch stärker als bisher die Qualität seiner Konserven in den Blick nahm.

Eine offensichtlich richtige Entscheidung, die der Conserverie la belle-iloise nicht nur den Fortbestand sicherte, sondern sie sogar zu einem der bekanntesten Unternehmen in Frankreich machte. Jeder vierte Franzose kennt heute die Marke mit den beiden stilisierten Fischen.

Geführt wird das Unternehmen mittlerweile in dritter Generation von Caroline Hilliet Le Branchi, der Enkelin des Gründers. Neben der Konservenfabrik in Quiberon, in der je nach Saison 400 bis 600 Männer und Frauen tätig sind und pro Jahr etwa 2.000 Tonnen Fisch verarbeiten, betreibt die Conserverie la belle-iloise landesweit auch 94 eigene Geschäfte –  unter anderem das in Le Tréport, das meine Eltern vor über 15 Jahren entdeckten und wo unsere la belle-iloise-Geschichte begann.

Verschiedene Sorten

Aus der ursprünglich einen Konservenkreation von Georges Hilliet – der berühmten Saint-Georges in Olivenöl – wurden inzwischen über 200 Produkte. Die Saint-Georges ist zwar immer noch der Bestseller, ergänzt wird er heute aber von einer bunten Vielfalt weiterer Spezialitäten: Sardinen mit Bayonner Schinken und Piment d’Espelette beispielsweise, geschmacksstarken Aufstrichen wie Hummercreme mit Cognac oder Sardinencreme mit Whiskey, einer wunderbaren Hummerbisque, der legendären Fischsuppe und sogar 100-prozentig pflanzlichen Kreationen mit bretonischen Algen.

Verarbeitung der Sardinen

Von Mitte Mai bis Mitte November ist Sardinenzeit. Die silbrigen Schwarmfische werden nur wenige Kilometer vor der bretonischen Küste gefangen, aus Respekt vor der Natur ausschließlich mit so genannten Ringwaden oder Schleppnetzen, die den Meeresboden nicht berühren und damit auch nicht schädigen. In der Conserverie la belle-iloise erfolgt die Verarbeitung dann fangfrisch, sofort nach der Anlandung, was sich natürlich positiv auf die Qualität auswirkt. Übrigens: Bei der industriellen Hochseefischerei werden die Fische nach dem Fang erstmal eingefroren, müssen also vor der Verarbeitung aufgetaut werden, was natürlich einen Qualitätsverlust zur Folge hat.

Bevor die Sardinen in die Dosen kommen, ist noch viel Arbeit nötig. Die Fische werden ausgenommen, in Öl frittiert und über Nacht abgetropft. Am nächsten Tag werden sie einzeln in Dosen gelegt, hinzu kommen Öl, Kräuter, Gewürze oder eine der speziellen Saucen. Fast alles ist bei la belle-iloise Handarbeit – trotzdem schafft das Team pro Stunde eine Tonne Sardinen.

See Also

Ein wahres Superfood

Sardinen sind nicht nur ein Genuss, sondern auch ein Beitrag zur gesunden Ernährung, ein wahres Superfood. Sie haben einen außergewöhnlich hohen Nährstoffgehalt, sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die Herz und Hirn unterstützen sowie an Vitamin D und Kalzium, die für starke Knochen sorgen. Außerdem enthalten sie viel Vitamin B12 und Selen, die wichtige Funktionen für den Stoffwechsel und das Immunsystem erfüllen.

Die Conserverie la belle-iloise in Quiberon ist mehr als eine Konservenfabrik. Sie und ihre Produkte sind ein Stück bretonisches Lebensgefühl, gewachsen aus Tradition, Handwerk und Liebe zum Meer.

Jede Dose erzählt eine Geschichte – von den Fischern, die mit ihren kleinen Booten hinausfahren, um die Sardinen zu fangen, von den Frauen, die sie sorgfältig einlegen und von einer Familie, die seit fast 100 Jahren unbeirrt ihren eigenen Weg geht. Und das schmeckt man – ob in Quiberon oder in Berlin.

www.labelleiloise.fr

Noch mehr dazu finden Sie in der aktuellen GARÇON-Ausgabe!

View Comments (0)

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Copyright © 2024 Alle Rechte vorbehalten. GenussNetzwerk.com ist ein Projekt von