Le Petit Délice – Französisch in Kleinmachnow

Le-Petit-Delice

Kleinmachnow: Vom Gutsdorf zum noblen Vorort

Kleinmachnow ist eine rund 20.000 Einwohner zählende Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark, direkt an den Berliner Stadtteil Zehlendorf angrenzend. Erstmals im Jahr 1375 urkundlich erwähnt, blieb der Ort über viele Jahrhunderte hinweg ein eher unbedeutendes Gutsdorf. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Situation grundlegend. Mit dem Bau des Teltowkanals zwischen 1901 und 1906 entstand auch die Schleuse Kleinmachnow, die schnell zu einem beliebten Ausflugsziel wurde. Vor allem an den Wochenenden zog das Bauwerk zahlreiche Berliner in den Ort vor den Toren der Hauptstadt. Ab 1905 verband zudem eine Straßenbahnlinie Berlin-Mitte direkt mit Kleinmachnow, was die Attraktivität des Ortes zusätzlich steigerte. Immobilienentwickler erkannten das Potenzial und begannen mit dem Bau einer Villenkolonie, die zwischen 1906 und 1910 entstand. Später kam die Bürgersiedlung hinzu, sodass sich Kleinmachnow zunehmend zu einem gehobenen Vorort Berlins entwickelte. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Immobilienpreise und Baulandkosten liegen inzwischen deutlich über dem Durchschnitt des Berliner Umlands, weshalb hier vor allem viele gut verdienende Haushalte leben. Gastronomisch hingegen hatte die Gemeinde lange Zeit kaum etwas Bemerkenswertes zu bieten.

Kleinmachnow

Ein schwieriges Pflaster für ambitionierte Gastronomie

Anfang der 2000er-Jahre sorgte kurzzeitig ein Restaurant für Aufmerksamkeit. In der Bäkemühle am Zehlendorfer Damm versuchte der Küchenchef Ronny Pietzner, als damaliger Teamkapitän der deutschen Köche-Nationalmannschaft sogar Weltmeister, ein Fine-Dining-Konzept zu etablieren. Der Versuch blieb jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Der Restaurantführer Gault&Millau vergab im Jahr 2009 lediglich 10 von 20 Punkten und kommentierte bissig, man könne den Verdacht hegen, dass an der besagten Weltmeisterschaft außer den Deutschen im Rang Pietzners niemand teilgenommen habe. Die Bäkemühle und ihr Küchenchef sind inzwischen längst Geschichte. Nach der Schließung des Restaurants verschwand Kleinmachnow auch aus gastronomischer Sicht weitgehend von der Landkarte. Erst vor einigen Monaten rückte der Ort wieder ins Blickfeld – dank eines Hinweises aus der Leserschaft.

Le Petit Delice: Inhaber Gabriel Lopes de Castro und seine Partnerin Emilia Guzenda.

Ein Tipp aus der Nachbarschaft

Ruth Sherwood, eine pensionierte Berliner Lehrerin, die seit drei Jahrzehnten in Kleinmachnow lebt, schrieb uns eine kurze Empfehlung. Wir sollten uns doch einmal das Restaurant Le Petit Délice im Steinweg ansehen. Was dort zwei junge Betreiber aus einer ehemaligen Eisdiele gemacht hätten, sei bemerkenswert und in jeder Hinsicht respektabel. Neugierig geworden machten wir uns auf den Weg nach Kleinmachnow, suchten das Haus mit dem gallischen Hahn – und fanden dort nicht nur ein charmantes Bistro, sondern auch ein engagiertes Team und eine Küche, die angenehm bodenständig und frei von modischem Firlefanz ist.

Le Petit Delice

Französisches Flair in der Steinstraße

Die Steinstraße im nordwestlichen Teil von Kleinmachnow wirkt ruhig und beinahe idyllisch. Spitzgiebelige Häuser der alten Bürgersiedlung wechseln sich mit eleganten Stadtvillen ab, viel Grün bestimmt das Straßenbild, während Autoverkehr kaum eine Rolle spielt. In dieser stillen Umgebung fällt das Le Petit Délice dennoch sofort ins Auge. Das Bistro befindet sich in einem schlichten Neubau und setzt ganz bewusst auf französische Symbolik. Eine große Trikolore sowie zahlreiche Akzente in Blau, Weiß und Rot lassen keinen Zweifel daran, dass hier französische Küche im Mittelpunkt steht. Besonders attraktiv wirkt die großzügige Terrasse, die an warmen Frühjahrs- und Sommertagen fast schon allein Grund genug für einen Besuch sein könnte. Der Innenraum ist deutlich kleiner, farblich markant gestaltet und wird von einer großen Eisvitrine dominiert, die sofort ins Auge fällt. Dabei handelt es sich keineswegs um ein nostalgisches Relikt aus früheren Zeiten, als sich hier tatsächlich eine Eisdiele befand. Während der warmen Monate ist die Vitrine weiterhin in Betrieb, was unter manchen Mittagsgästen gelegentlich für Diskussionen sorgt.

Le Petit Delice

Eis für die Nachbarschaft

Inhaber Gabriel Lopes de Castro sieht die Sache gelassen. Die Vitrine habe man von den Vorgängern übernommen, erklärt er, und sich bewusst dafür entschieden, sie weiterhin zu nutzen. Direkt neben dem Bistro befindet sich eine Schule, und traurige Kinder wollte man dort nicht sehen. Außerdem stammt das Eis aus einer hochwertigen Berliner Manufaktur und erfreut sich großer Beliebtheit. Ganz nebenbei ist der Eisverkauf natürlich auch wirtschaftlich sinnvoll. Kleinmachnow ist kein Szeneviertel mit spontaner Laufkundschaft. Gäste kommen gezielt und müssen überzeugt werden. Jeder Besuch zählt.

Le Petit Delice: Inhaber Gabriel Lopes de Castro

Ein Koch mit internationaler Biografie

Gabriel Lopes de Castro ist heute 40 Jahre alt, kräftig gebaut, mit wachen Augen und einem offenen, fröhlichen Lachen. Seine Biografie ist ebenso international wie seine Sprachkenntnisse. Geboren wurde er in Belém, einer Millionenstadt im brasilianischen Amazonasgebiet. Seine Mutter stammt aus Brasilien, sein Vater ist Franzose aus dem Überseedépartement Französisch-Guayana. Aufgewachsen ist er schließlich in der Heimat seines Vaters, wo er auch die Schule abschloss. Seine Ausbildung zum Koch begann er jedoch auf der Karibikinsel Guadeloupe und beendete sie später im südfranzösischen Toulouse. Schon früh wusste er, dass er Koch werden wollte. Für ihn ist die Küche ein Ort, an dem handwerkliches Können, Denken und Kreativität zusammenkommen und jeden Tag ein sichtbares Ergebnis hervorbringen. Nach seiner Ausbildung arbeitete er in Frankreich und Spanien sowie erneut in Guadeloupe, bevor ihn vor etwa zehn Jahren die Liebe nach Berlin führte.

Le Petit Delice: Inhaber Gabriel Lopes de Castro

Von Berliner Restaurants nach Kleinmachnow

In Berlin sammelte Lopes de Castro schnell Erfahrungen in mehreren französischen Restaurants. Besonders prägend waren seine Stationen als Küchenchef im Belmondo in der Knesebeckstraße sowie im Pastis in der Rüdesheimer Straße. Stadtmagazine und Tageszeitungen lobten seine Gerichte regelmäßig für ihre Eleganz und geschmackliche Präzision. Zu seinen vielbeachteten Kreationen gehörten etwa ein Rote-Bete-Risotto mit Jakobsmuscheln, Riesengarnelen und Krustentierschaum oder ein Wolfsbarschfilet mit grünem Erbsenpüree, gebratenen Salicornes und Yuzu-Beurre-blanc. Dennoch wuchs in ihm zunehmend der Wunsch, ein eigenes Restaurant zu führen. Die Realität in Berlin machte dieses Vorhaben allerdings schwierig. Selbst kleine Restaurants erfordern dort häufig Ablösesummen im sechsstelligen Bereich. Ohne finanzstarken Partner sei das kaum zu stemmen, sagt Lopes de Castro. So fiel schließlich die Entscheidung für Kleinmachnow.

Le Petit Delice

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„Simple mais de goût“ – Einfach, aber voller Geschmack

Im Le Petit Délice steht der Küchenchef meist allein am Herd. Seine Lebenspartnerin Emilia Guzenda, die hauptberuflich in der Logistikbranche arbeitet, unterstützt gelegentlich im Service. Aus diesem Grund ist die Speisekarte bewusst kompakter als in seinen früheren Berliner Restaurants. An seinem kulinarischen Anspruch ändert das jedoch nichts. Lopes de Castro folgt konsequent seinem Küchenmotto „Simple mais de goût“ – einfach, aber voller Geschmack. Diese Philosophie spiegelt sich in allen Gerichten wider. Ein winterliches Maronen-Steinpilz-Süppchen überzeugt ebenso wie ein zarter Lammrücken mit Kräuterkruste oder eine klassische Boudin noir mit Kartoffelpüree, karamellisierten Äpfeln und Röstzwiebeln. Die Küche ist klassisch geprägt, konzentriert sich auf klare Aromen und verzichtet bewusst auf modische Effekte wie Schäumchen oder dekorative Tellerkunst. Stattdessen setzt Lopes de Castro auf präzise Würzung, intensive Geschmäcker und hochwertige Zutaten. Butter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wenn Gäste danach fragen, zitiert er gerne den berühmten französischen Koch Paul Bocuse, der einst erklärte, warum seine Saucen so gut schmecken: Butter, Butter und nochmals Butter.

Le Petit Delice

Flammkuchen als Herzstück des Bistrokonzepts

Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts im Le Petit Délice ist die große Auswahl an Flammkuchen. Acht verschiedene Varianten stehen ganzjährig auf der Karte und passen sowohl in die kalte als auch in die warme Jahreszeit. Der hauchdünne Teig wird beispielsweise mit Räucherlachs, Cherry-Tomaten und Meerrettichcreme belegt oder mit Serranoschinken und Oliven kombiniert. Eine weitere Variante bringt Hähnchenbrustfilet und Champignons auf den knusprigen Boden. Besonders beliebt ist jedoch die klassische Tarte flambée Alsacienne mit Speck und Zwiebeln. Daneben gibt es auch eine opulente Version des Küchenchefs mit Sardellenfilets, Ziegenkäse und marinierten Kirschtomaten. Der Erfolg des Gerichts liegt vor allem in der Balance zwischen knusprigem Teig und einer großzügigen Schicht Crème fraîche, die Lopes de Castro augenzwinkernd „Schmeere“ nennt. Diese Mischung sorgt dafür, dass der Elsass-Klassiker im Le Petit Délice zu einem echten Publikumsliebling geworden ist.

Le Petit Delice

Ein kleines Stück Frankreich in Brandenburg

Mitten in der ruhigen Steinstraße von Kleinmachnow ist so ein kleines Stück Frankreich entstanden. Das Le Petit Délice verbindet klassische Bistroküche mit persönlicher Leidenschaft und handwerklicher Präzision. Gerade weil hier auf modische Effekte verzichtet wird und stattdessen ehrlicher Geschmack im Mittelpunkt steht, hat das Restaurant das Potenzial, die gastronomische Landschaft der Gemeinde nachhaltig zu bereichern. In Kleinmachnow zeigt sich einmal mehr, dass gute Küche nicht zwingend mitten im Großstadttrubel entstehen muss. Manchmal findet man sie auch dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Hier geht’s zur Webseite: www.le-petit-delice.de

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