Zu Gast bei Elena von Gieck in Potsdam
Die Gutenbergstraße in Potsdams historischer Innenstadt verläuft über anderthalb Kilometer zwischen Schopenhauerstraße und Berliner Straße. Sie entstand 1738 im Rahmen der zweiten Stadterweiterung Potsdams und hieß bis 1945 Junkerstraße.
Historische Strasse
Als die DDR am Ende war, schien auch für die meisten der barocken Häuser der Gutenbergstraße das letzte Stündlein geschlagen zu haben, so marode wie sie waren.
Doch Bewohner, Architekten und Stadtplaner trotzten dem drohenden Abriss, entwickelten individuelle Lösungen für die Sanierung jedes Hauses, bewiesen Ausdauer und Einfallsreichtum bei der Realisierung und retteten so ein schönes Stück Potsdam.

Heute ist die Gutenberg eine charmante Wohn- und Einkaufsstraße mit gemütlichem Flair – fernab jeglichen Luxusappeals. Mit der Zeit eröffneten immer mehr Cafés, Galerien und andere Einkehrstätten, darunter auch etliche gute kulinarische Adressen – etwa die Feinkosthandlungen Essclusiv und Delicatum oder das Manufakturgeschäft UCKEROSE.
Letzteres ist unser Ziel. Ein Schild an einer schmiedeeisernen Aufhängung weist den Weg zum Haus Nummer 31: Laden … Manufaktur … Laboratorium … UCKEROSE. Wer den kleinen Laden betritt, merkt sofort, dass hier nicht nur der Name für die Sache steht, sondern auch die Farben und das ganz besondere Odeur.
Rosenrot in allen Nuancen dominiert das Ambiente, überall duftet es blumig und selbst das Outfit der Inhaberin erweist der edlen Blüte Reverenz.

Elena und die Rosen
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Und Elena von Gieck in ihrem Element, wobei es ihr besonders die kulinarischen Möglichkeiten der Rosengewächse angetan haben. Wir erfahren, dass bereits die Alten Römer Rosengerichte schätzten und ihren Wein mit Rosenblüten würzten, dass Rosenmus und Rosensirup schon im Mittelalter bekannt waren und selbst noch ältere bürgerliche Kochbücher – etwa das 1892 in Oranienburg erschienene Illustrierte Viktoria-Kochbuch – interessante Rezepte etwa für Rosenbowle, Rosenessig, Rosenpudding oder Rosensaft enthalten.
Etliches von dem, über das Elena von Gieck berichtet, hat sie in einem ihrer vielen Rosenbücher gelesen, anderes hat ihr Oma Alwina erzählt. „Meine Großmutter war in dem Ort, in dem ich groß geworden bin, die Pflanzenkundige und Dorfheilerin“, erzählt sie lächelnd.
Lebenslinien von Gieck
Elena von Gieck wuchs in Kasachstan in einer deutschstämmigen Familie auf, absolvierte nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Chemielaborantin und kam 1990 als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Sie lebte in Bayern und Baden-Württemberg und war nach einer Umschulung jahrelang in der Finanzbranche tätig.
„Befriedigt hat mich das nie“, erinnert sich Elena von Gieck, „ich war immer auf der Suche nach einer neuen, kreativeren Herausforderung.“ 2009, ihre Familie war kurz zuvor nach Groß Schönebeck in der Schorfheide umgezogen, eröffnete sie im nahen Templin ein Café und eine Feinkosthandlung und verspürte endlich so etwas wie Zufriedenheit. „Auf die Rose bin ich dann tatsächlich ganz zufällig gekommen“, schließt sie ihre Erklärung.

Ein Wochenendausflug führte Elena von Gieck in den nordöstlichsten Zipfel der Uckermark: Gartz, Tantow, Damitzow und schließlich Radekow. In dem 150-Einwohner-Örtchen kurz vor der polnischen Grenze hatte die diplomierte Sozialpädagogin Andrea Genschorek vor 17 Jahren eine Rosenschule eröffnet, fünf Hektar groß und biozertifiert. Inzwischen wachsen hier 18.000 Rosen – Beetrosen, Strauchrosen, Kletterrosen, Englische Rosen – insgesamt 200 Sorten.
Auf ihrer Internetseite schreibt Andrea Genschorek: „Wir verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, stärken unsere Rosen mit eigens für uns hergestelltem Naturrosendünger und natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln und fördern sinnvolle Pflanzengemeinschaften und tierische Nützlinge.“
In diesem Rosenparadies entdeckte Elena von Gieck die Blume ihrer Träume: die Roseraie de l‘ hay, auch Uckermärker Küchenrose genannt. Besondere Kennzeichen: karminrote, halb gefüllte Blüten und ein starker, fast schon würziger Duft.
Die Rosenkooperation
Elena von Gieck lernte Andrea Genschorek kennen, die beiden Frauen freundeten sich an, eine Kooperation entstand. Die Cafébetreiberin durfte Blüten der Uckermärker Küchenrose pflücken, um sie kulinarisch zu nutzen. In der historischen, fachwerkgeprägten Templiner Altstadtpassage richtete sie ein Rosenlaboratorium ein und begann, sich intensiv mit der rosigen Materie zu beschäftigen.
„Zuerst habe ich alles gelesen, was ich über die kulinarische Verwendung von Rosen finden konnte, dann startete meine Experimentierphase“, erzählt sie und fügt hinzu: „Mein Ziel war es, Duft, Geschmack und Farbe möglichst verlustfrei aus den Blüten herauszufiltern.“
Destillation, Extraktion, Mazeration, Trocknung – Elena von Gieck testete viele Verfahren, um diesem Ziel nahe zu kommen. Erstes Ergebnis war ein Elixier als Ausgangsstoff für einen Rosenlikör, es folgten Rosenmousse, Rosensalz, Rosenspritz sowie diverse, mit Rosenblättern komponierte Fruchtaufstriche und Früchtetees …

Uckerrose
Gutenbergstraße 31
14469 Potsdam
www.uckerrose.de

