… aus Dannenwalde auf der Domäne Dahlem
„Es geht wieder los“, sagt Guido Richard und lächelt das Lächeln eines zufriedenen Mannes. Der Grund für seine gute Stimmung liegt auf der Hand. Richard betreibt eine Wildmanufaktur und nach der sommerlichen Schonung ist nun wieder Wildsaison.
Der gelernte Koch und passionierte Jäger erwartet für die „wilde Zeit“ in diesem und dem nächsten Jahr einen spürbar höheren Konsum und begründet seine Prognose mit dem gewachsenen Ernährungsbewusstsein vieler Menschen.

Tatsächlich scheint es sich herumgesprochen zu haben: Wildbret ist ein äußerst hochwertiges, gesundes und geschmacksstarkes Lebensmittel – ausgesprochen eiweißreich, relativ fettarm und komplett bio. Wildes Leben, weiter Auslauf, natürliches Futter, freie Liebe … Wenn schon Fleisch, dann dieses.

Eine Erkenntnis, die anzukommen scheint – wie sollte man den Andrang in Guido Richards Hofladen in Dannenwalde, rund 60 Kilometer nordwestlich von Berlin, vor allem samstags und sonntags (geöffnet jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr) denn sonst erklären?
Dass immer mehr Verbraucher auf den Geschmack von Rehhaxe, Hirschkeule oder Wildschweinrippchen, auf Wildschinken oder Wildwurst kommen, bewies nicht zuletzt Richards diesjähriges Hoffest am letzten Augustwochenende in Dannenwalde.

Gastgeber Guido Richard schmetterte das „Hohe Wecken“ (oder war’s der „Aufbruch zur Jagd“?) ins Horn, und rund 1.200 Gäste ließen es sich bei Wildschwein vom Spieß, „wilder“ Currywurst und anderen Spezialitäten gut gehen. Einige der Besucher, die nur mal zum Probieren vorbeikamen, traf man in der Woche darauf dann beim Großeinkauf aufeinem der Berliner oder Brandenburger Wochenmärkte, auf denen Guido Richard Wildbret anbietet, etwa auf der Domäne Dahlem.

Der samstägliche Wochenmarkt auf dem Parkplatz der Domäne Dahlem ist klein, fein und natürlich bio. Man kauft Eier, Hähnchenkeulen oder Lammhaxen bei Ulrich Vössing vom Bauernhof Oderaue, Obst und Gemüse an den Ständen von Almas Garten in Müncheberg oder vom Potsdamer Florahof, Ziegenkäse vom Wagen des Capriolenhofes in Bredereiche, Brot vom Berliner Bio-Backpionier Heinz Weichardt und Wild aus den gut gekühlten Auslagen von Guido Richards Transporter.

Wer dann noch etwas braucht, der geht in den Hofladen der übrigens durch das finanzielle Streichkonzert des Berliner Senats arg gebeutelten Domäne. „Wir werden ausgequetscht wie eine Zitrone“, erfährt man dort.
Und das ist noch freundlich formuliert angesichts der Tatsache, dass über 20 Prozent des jährlichen Gesamtbudgets für den in der Hauptstadt einzigartigen Bio-Bauernhof, der zugleich eine wichtige Begegnungs- und Bildungsstätte ist, gestrichen werden sollen. Was für ein politischer Wahnsinn!
Guido Richard und sein Team kommen seit vier Jahren auf den Domäne-Wochenmarkt, offerieren Rehrücken, Hirschkeule, Wildschweingulasch, frische Wildbratwürste, geräucherte Wildleberwürste, ein halbes Dutzend Wildsalamisorten, Wildjus, Wildsoljanka, Wildbolognese… „Das Besondere dieses Wochenmarktes ist seine Atmosphäre“, sagt Standchef Frank Jahn, „kommen, sehen, kaufen, alles möglichst schnell, das ist hier nicht.“ Unsere Beobachtungen bestätigen Jahns Aussage – vor dem Kauf kommt die Kommunikation. Der Meister grinst: „Wild will eben erklärt sein.“
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