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Schwein is back in town – Wiedereröffnung

Zwei, drei Wochen war das neue Restaurant mit dem eigenwilligen Namen in der Elisabethkirchstraße ein Geheimtipp, dann zeitigten Mundpropaganda und Digitalagitation Wirkung…

Die Eröffnung am 29. Dezember 2015

Zwei, drei Wochen war das neue Restaurant mit dem eigenwilligen Namen Schwein in der Elisabethkirchstraße ein Geheimtipp, dann zeitigten Mundpropaganda und Digitalagitation Wirkung: Die Foodies strömten, die Kritiker kamen, Lob auf ganzer Linie, das „Schwein“ war auf der Erfolgsspur. Ein Laden, total im Trend. Inhaber David Monnie philosophierte schon mal über „gastronomische Ganzheitlichkeit“, also über das Zusammenspiel von gästefreundlichem Ambiente, unprätentiösem Service, zeigeistiger Getränkeofferte und entsprechender Küche.

Von allem bot das „Schwein“ eine Menge und Küchenchef Christopher Kümper bot sogar noch etwas mehr. Der gebürtige Sauerländer und sein Team servierten – wie man es bei einer Weinbar erwarten könnte – nicht etwa kleine Weinbegleithappen, sondern zündeten ein dermaßen geschmacksstarkes Küchenfeuerwerk, dass der Michelinstern nicht fern schien und selbst der mit vielen kulinarischen Wassern gewaschene und deshalb jedweder Lobhudelei unverdächtige Gastronom Hans-Peter Wodarz sich nach seinem ersten Kümper-Menü an den jungen Witzigmann erinnerte, bei dessen Tantris-Gerichten er einst die „Küche der Zukunft“ schmeckte.

Das Ende am 31. August 2017

Nach einem Jahr und acht Monaten endetet der unaufhaltsame Aufstieg des Restaurants abrupt. Um Aufklärung gebeten, zitiert David Monnie heute häufig Hermann Hesse: „Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne.“ Auch eine Antwort auf die Frage nach den Gründen für das plötzliche Aus des „Schweins“. Nein, er will nicht mehr darüber reden. Ja, es ging um Mietzahlungen, um Absprachen, Verträge, Vertrauen, vielleicht auch um Vertrauensseligkeit… Abgehakt, zwar nicht vergessen, aber vorüber.

Viel wichtiger war für Monnie die Tatsache, dass das Team – bis auf den ehemaligen Restaurantleiter – entschied, zusammenzubleiben, um an einem anderen Ort ein neues „Schwein“ zu gründen. „Ich bin nun wirklich schon eine kleine Ewigkeit in der Gastronomie unterwegs“ sagt der 44-Jährige, „aber so etwas hatte ich bis dato noch nie erlebt, zumal keiner von uns wusste, wie lange wir brauchen würden, um eine neue Location zu finden und sie herzurichten. Irre.“

Eine unerwartete Ehrung am 21. Oktober 2017

Berliner Meisterkoch 2017, Berliner Gastgeber 2017, Berliner Szenerestaurant 2017, Meisterkoch der Region 2017, Aufsteiger des Jahres 2017 – für die fünf Titel gab es 76 Kandidaten. „Aus diesem Kreis erfolgten die 25 Nominierungen, fünf in jeder Kategorie, aus denen wir in zumeist mehreren geheimen Wahlgängen die diesjährigen Sieger ermittelt haben“, so Dr. Stefan Elfenbein, Vorsitzender der 14-köpfigen Fachjury, am 6. September 2017 auf einer Pressekonferenz.

Christopher Kümper (dritter von rechts)

Beifall für Sebastian Frank, Ilona Scholl, das Brlo Brwhouse, für René Klages und Christopher Kümper. In Kümpers Fall hörte man allerdings auch die ewig Gescheiten: Warum wählt ihr einen Küchenchef, wenn dessen Restaurant geschlossen ist? Die Antwort gab Kritiker-Guru Heinz Horrmann auf der offiziellen Auszeichnungsveranstaltung der Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing Berlin Partner am 21. Oktober 2017: „Weil er uns seit seinem Start in Berlin mit ausgefeilter Kochtechnik und faszinierenden Aromawelten begeistert hat und es bald im neuen ‚Schwein‘ auch wieder tun wird.“

Ein neuer Start am 30. Oktober 2017

„Schwein goes West“, hieß es Ende August 2017, und neben David Monnie und Christopher Kümper gingen vier Köche und drei Männer der schwarzen Brigade mit. Sie verließen die Komfortzone einer festen Anstellung mit pünktlicher Gehaltszahlung und übernahmen Aushilfsjobs – Jonathan M. Staneker beispielsweise im Brlo Brwhouse, Emmanuel Rosier im Hotel am Steinplatz und im Londoner Club 67 Pall Mall.

„Dass ich dabei bleibe, stand nie infrage“, so der 36-jährige Chefsommelier, „ich habe die Zeit auch genutzt, um meine Ausbildung zum Master of Wine voranzutreiben.“ „Ganz so leicht, wie es heute klingt, war es dann aber doch nicht“, erzählen David Monnie und Christopher Kümper, „obwohl wir einen guten Ort für das neue ‚Schwein‘ schnell gefunden und mit einer tollen Vermieterin verhandelt hatten.“ Wie so oft, der Umbau zog sich hin. In dieser Zeit machte ihnen besonders ein Brief aus München Mut, Absender: die Gault&Millau-Redaktion. „Man teilte uns mit, dass wir in der Ausgabe 2018 wieder mit 15 Punkten vertreten seien.“

Die Wiedereröffnung des Schwein am 12. Februar 2018

Diesen Tag haben sie alle herbeigesehnt, endlich wieder ein heißer Herd, endlich wieder Gäste. Emmanuel Rosier, der Mann aus dem Beaujolais, hat eine Weinkarte geschrieben, die von seiner Weltoffenheit zeugt – 165 Positionen, weit weg vom Tutti-Frutti-Mainstream. Das belegen auch seine Weinempfehlungen – etwa, wenn er zum Potsdamer Weideschwein den originellen Chardonnay „Blauarsch“ von Karl-Hermann Milch empfiehlt oder zum Landei einen säurebetonten Cortese aus Piemont.

Barchef Oliver Gwinners Cocktail-, Gin- (darunter der schlau komponierte, erfrischende Beefeater 24 aus London, unser aktueller Favorit), Rum- und Whiskey-Offerten halten locker mit. Bleibt noch Kümpers Küche, die sowohl mit ihrer famosen Leichtigkeit als auch einer aromatischen Dichte sondersgleichen begeistert und damit ihre Flughöhe wieder erreicht hat. Weil auch das Bodenpersonal in wunderbarer Form ist, bleibt als Fazit: Das neue „Schwein“ ist die interessanteste Lokaleröffnung des bisherigen Jahres in Berlin.

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Restaurant Schwein
Mommsenstraße 63
10629 Berlin

www.schwein.online

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