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Schokoladenmanufaktur Sawade

Schon der Name: Flag – ship – store. Das ist eben nicht irgendein Laden. Flagshipstores befinden sich in bester Lage. Sie sind heiter bis edel eingerichtet, geschmackvoll inszeniert und auch sonst á jour.  Natürlich ist die Eröffnung eines Flagshipstores ein gesellschaftliches Ereignis – geladene Gäste, gepflegte Getränke, gefeierte Reden. Im Falle der Berliner Schokoladenmanufaktur Sawade gab es nicht nur das, sondern auch noch „Große Oper“, und so gesehen war die Bezeichnung Grand Opening für die Geschäftseinweihung Ende 2016 durchaus treffend.

Die Mezzosopranistin Maria Fiselier, Komische Oper Berlin

Die Mezzosopranistin Maria Fiselier, Komische Oper Berlin

„Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann, ich will einen, den ich küssen und um den Finger wickeln kann!“ Die Zugabe der Mezzosopranistin Maria Fiselier, seit der Spielzeit 2016/2017 Mitglied im Ensemble der Komischen Oper Berlin, war geplant. Die Pointe allerdings nicht. Benno Hübel, Inhaber der Berliner Trüffel- und Pralinenmanufaktur Sawade überreichte der jungen Hollanderin eine große Schachtel: „Herzlichen Dank und für Sie unsere Confiserie-Mischung.“ Darauf die Sängerin: „Ich will keine Schokolade – außer Sawade“.

Sawade, das ist alter Berliner Adel. Schokolade von Sawade. Da Adel nun mal verpflichtet, jetzt also endlich – neben dem zugegebenermaßen sehr gut sortierten Fabrikverkauf draußen in der Reinickendorfer Wittestraße – auch einen standesgemäßen innerstädtischen Flagshipstore. Der Edelladen entstand in den Hackeschen Höfen in Mitte. Eine erste Adresse in jeder Hinsicht, denn die Bezeichnung „Mitte“ steht nicht nur für die Stadtmitte Berlins, sondern ist vor allem für den Stil des Neuen Berlin, dessen Atmosphäre. Manhattan lässt grüßen.Schmidtz&KO076

„Natürlich hätten wir unser Geschäft gern am historischen Standort eröffnet“, sagt Sawade-Inhaber Benno Hübel in seiner Begrüßungsrede, „aber dort hat jetzt Volkswagen einen Showpalast und den wollten sie leider nicht aufgeben.“ Tatsächlich, wo heute die Wolfsburger PS-Protze residieren, gründete 1880 Ladislaus Ziemkiewicz, der das Schokoladenhandwerk in Paris gelernt hatte, eine Confiserie. Die hat er nach seiner Nachbarin Marie de Savadé – Geldgeberin oder Geliebte, das ist nicht überliefert – SAWADE benannt. Schnell avancierte das Geschäft für feine hausgemachte Pralinen und Bonbons Unter den Linden 19 zum Kaiserlichen Hoflieferanten – erkennbar am Doppeladler aus Eisenguss neben der Eingangstür.Sawade001

Darüber, wie Sawade den I. Und II. Weltkrieg überstand, ist wenig bekannt. Auch über die Zwischenkriegszeit. Die Besitzer wechselten, der Name jedoch blieb. 1949 wurden Sawade-Pralinen am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf in einer Manufaktur in Wohnzimmergröße gefertigt. Später – inzwischen hatte Ulrich Spengler die Firma übernommen – kamen Standorte in Schöneberg, Kreuzberg und Charlottenburg hinzu. 1972 schließlich wurde der Grundstein für die heutige Produktionsstätte in Reinickendorf gelegt. Thomas Spengler trat das Erbe seines Vaters an, und wurde Geschäftsführer. Sawade schien auf gutem Weg. Doch obwohl er drei Millionen Euro im Jahr umsetzte, gab es Schwierigkeiten. Im Juli 2013 schließlich musste Sawade Insolvenz beantragen. Showdown in Reinickendorf. Doch der Abgesang kam verfrüht. Ein Berliner Unternehmerpaar rettete das Traditionshaus.Sawade1001

Sie stehen vor dem Sawade-Flagshipstore in den Hackeschen Höfen und man sieht ihnen an, wie stolz sie sind. Melanie und Benno Hübel, sie 40, er 42, sind die Hauptdarsteller eines Berliner Erfolgsstücks. Vor drei Jahren unterzeichneten sie eine Vereinbarung mit dem Insolvenzverwalter. Sie übernahmen die Sawade GmbH und führten das Unternehmen aus dem Tal der Tränen. „2014 war unser erstes richtiges Jahr“, tut Benno Hübel kund. Und seine Frau fügt hinzu: „Ohne unsere Mitarbeiter wäre das nicht möglich gewesen. Wir sind wahnsinnig stolz auf unsere Mannschaft.“ Übrigens: Vor ihrem Sawade-Coup hatten die beiden beruflich mit Schokolade eher wenig zu tun. Benno Hübel vielleicht noch ein bisschen mehr als seine Frau, denn der Mann ist gelernter Koch und war im Mittleren Osten als Unternehmensberater für Lebensmittelbetriebe tätig. Melanie Hübel studierte Grafik-Design, gemeinsam führten sie eine Berliner Digitaldruckerei zum drittgrößten Fotobuchhersteller Europas.

Wahrscheinlich sind Sie das schon dutzende Male gefragt worden, aber weshalb haben Sie die Schokoladenmanufaktur Sawade GmbH übernommen, Herr Hübel?

Ganz rational kann ich das nicht erklären. Da gab es romantische Gefühle, da war Lokalpatriotismus im Spiel, vielleicht auch ein bisschen Naivität, mit Sicherheit meine besondere Beziehung zu Lebensmitteln im Allgemeinen und Schokolade im Besonderen.

Woher kommt diese Beziehung?

Ich bin Koch von Beruf, habe im InterConti gelernt, in Berlin und in London.

Aber Sie sind auch Betriebswirt und Unternehmensberater.

Ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen, aber ans Geldverdienen haben meine Frau und ich zuallerletzt gedacht, als wir uns für Sawade entschieden. Übrigens vielleicht beantwortet das Ihre Frage, ein Unternehmen etwa aus der Metallbranche hätten wir nicht übernommen.

Was haben Sie vor drei Jahren bei Sawade vorgefunden?

Qualitativ ausgezeichnete Produkte, hochmotivierte Mitarbeiter, aber auch fünfzehn verschiedene Logos, acht verschiedene Schrifttypen, Marketing und Vertrieb gab es eigentlich nicht.

Ziemlich viele Probleme, wie sind Sie vorgegangen?

Wir haben keinen Rundumschlag gemacht, sondern haben gesagt, dass wir das bewahren wollen, was Sawade ausmacht.

Was macht denn Sawade aus?

Sawade ist eine Berliner Marke, der Kern der Marke ist Berlin. Sawade ist nicht modern, sondern zeitgemäß. Sawade ist elegant und hochwertig. Sawade ist exquisite Qualität und Sawade ist für Erwachsene.

Weshalb betonen Sie das?

Weil unsere Pralinen und Trüffel einen hohen Alkoholanteil haben, kein Thema für Kinder also. Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, wir haben den alten Schriftzug aus den 1940er Jahren wieder ausgekramt und ein völlig neues Verpackungskonzept entwickelt. Pralinen brauchen Ambiente.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sawade GmbH

Sawade Berlin-Mitte
Rosenthaler Straße 40 – 41

www.sawade.berlin.de

Copyright Beitragsbild: Sawade GmbH

 

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