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Die Steiermark – das grüne Herz Österreichs

Wenn Viktoria Kniely (Gastgeberin des Jahres 2016) über die Steiermark spricht, das „grüne Herz Österreichs“, dann gerät sie ins Schwärmen …

Wenn Viktoria Kniely (Berliner Gastgeberin des Jahres 2016) über die Steiermark spricht, das „grüne Herz Österreichs“, dann gerät sie  ins Schwärmen und rollt das „r“ noch etwas stärker als sie es ohnehin schon tut. Nach einer Aufzählung der landschaftlichen Schönheiten und architektonischen Besonderheiten des Bundeslandes, fragt das steirisch-ultimative „is so“. Soll heißen: Zweifel sind nicht erlaubt.

Gastgeberin des Jahres 2016 Viktoria Kniely

Gastgeberin des Jahres 2016 Viktoria Kniely

Viktoria Kniely stammt aus dem Südosten der Steiermark. Kindheit, Jugend, Volksschule, Hauptschule, Kindergärtnerin wollte sie werden. Doch da war ihre Mutter vor. Also zog Viktoria, 14-jährige, nach Bad Gleichenberg ins Internat und absolvierte eine fünfjährige Ausbildung an den Tourismusschulen im ältesten steirischen Kurort. Überredung oder Überzeugung? „Von beidem etwas“, wird uns Helga Krenn ihre Mutter, später sagen. Wir sind auf Spurensuche. Am Flughafen Graz – Air Berlin fliegt täglich zweimal in die Steiermark-Haupstadt – begrüßt ein Schriftzug die Ankommenden: „Welcome – Expect a lot.“ Das tun wir.

Abseits großer Straßen: Weinberg an der Raab.

Abseits großer Straßen: Weinberg an der Raab.

Wir lassen Graz – mit über 280.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Österreichs, seit 1999 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes und natürlich auch immer eine Reise wert – links liegen.
Unser Ziel befindet sich rund 500 Kilometer weiter östlich: das steirische Vulkanland. Eine Gegend von eigenwilliger Schönheit und eine Region von kulinarischer Bedeutung, weit über Österreichs Grenzen hinaus. Stichworte müssen genügen: Gölles-Essige, Vulcano-Schinken, Zotter-Schokolade, der und das Kernöl. Die Feinschmecker lächeln wissen.
Dann ein weiß-blaues Ortsschild – Weinberg an der Raab. Muss man das kennen?

Nein, kennen muss man Weinberg nicht. Oder vielleicht doch? Der genauso schmucke wie winzige Ort im Südosten der Steiermark ist auf jeden Fall ein Beispiel dafür, dass solche Dörfer nicht in Tristesse versinken und an Perspektivlosigkeit zu Grunde gehen müssen. Die Alten sterben aus, die Jungen ziehen weg, man kennt das.
Da ist zum Beispiel Johann Koller, 48, Kürbisbauer, ein belesener Mann, der sicher auch in Graz oder Wien Karriere gemacht hätte. „Ich bin die fünfte Generation auf diesem Hof“, sagt er, „und solche Tradition verpflichtet doch.“

Seit 17 Jahren baut Koller den Steirischen Ölkürbis an und presst Kernöl, das er in die halbe Welt verkauft. Und weil er nicht in Konventionen verharrt, bietet er neben dem Öl auch Kürbiskernchutney, Kürbiskernpesto, und neuerdings sogar einen Kürbiskernbrand und ein getrüffeltes Kürbisschmalz an. Mehr Kürbis geht sicher nicht. Koller lächelt, er hat wohl doch noch Einiges in der Pipeline (www.kurbisatelier.at).

Am anderen Ende des Ortes befindet sich die Tischlerei von Franz Gross, die, genau genommen, Einrichtungswerkstätte Gross heißt: 18 Angestellte, der größte Arbeitgeber in Weinberg und nicht weniger über die Grenzen der Südoststeiermark hinaus bekannt wie Johann Koller.
Gross propagiert das „Urschlafprinzip“ und fertigt unter dem Markennamen Tueri metallfreie Holzbetten. Motto: Tueri bringt den Schlaf zurück (www.tueri.at)!

Es gibt in Weinberg einen funktionierenden Dorfgasthof mit großem Gewölbekeller und respektabler Regionalküche (www.bruchmanns.at). Es gibt einen Gesangverein, etliche Oldtimersammler und ein jährliches Oldtimertreffen, das Weinberg in ein tagelanges PS-Fieber versetzt.

Gartners Café und Hofladen.

Gartners Café und Hofladen.

Und dann ist da noch Barbara Aschbacher-Gartner, die Chefin vom Gartnerhof (www.kuerbishof.at). Die charmante 47-Jährige stammt aus einer Kärntner Bergbauernfamilie und hat vor Jahren nach Weinberg geheiratet. Gemeinsam mit ihrem Mann übernahm sie die in der Gegend traditionelle Schweinezucht der Schwiegereltern. „Als Schweine wegen des Preisverfalls am Fleischmarkt nicht mehr rentabel zu halten waren, haben wie es mit dem Ginsenganbau probiert“, erzählt sie, „bis die Mäuse kamen.“

Barbara Aschberger-Gartner.

Barbara Aschberger-Gartner.

Heute bietet Barbara Gartner gestresstern Städtern Urlaub auf dem Bauernhof. Aus einem Schweinestall entstand außerdem ein Dorfcafé mit Hofladen (www.diegeniesserei.at), das einen Zuwachs an Lebensqualität nach Weinberg gebracht hat – als Einkaufsstätte regionaler Delikatessen und Kommunikationszentrum.

Burschenschank Krenn/Kniely

Burschenschank Krenn/Kniely

Buschenschank. Immerhin, der Duden, die deutsche Rechtschreibung, kennt den typisch österreichischen Begriff, aus dem die Partner-für-Berlin-Vertreterin auf der Meisterköche-Pressekonferenz mal eben einen Bu-r-schenschank gemacht hat. Nein, das Wort hat mit Männlichkeit, mal von seinem grammatikalischen Artikel abgesehen, nicht viel zu tun. Es steht für eine besondere Form von Gastronomie, die auf Kaiser Josef II. zurückgeht. Der Habsburger erteilte 1784 jedermann die Erlaubnis, von ihm selbst erzeugte Lebensmittel, Most, Wein, Speck, Wurst und anderes auszuschenken oder zu verkaufen. Um solche Orte zu kennzeichnen, hängten die Bauern Wacholderzweige an deren Türen, die so genannten Buschen.

Großeltern: Josef und Antonia Krenn, v.li.

Großeltern: Josef und Antonia Krenn, v.li.

Also dann, „einig´schaut“ – auf zum Buschenschank Krenn + Knieley oben auf dem Berg, hoch über Weinberg. „Griaß si!“ Josef und Antonia Krenn sind da, er 89, sie 87, Viktoria Knielys Großeltern. Sie haben die familiäre Einkehrstätte 1964 gegründet. Knielys Mutter Helga und Bruder Gabriel betreiben sie heute. Gabriel, 24, Winzer von Beruf, absolviert derzeit die Meisterschule für Weinbau und Kellerwirtschaft. Er ist für die dreieinhalb Hektar Rebfläche der Familie zuständig – Welschriesling, Weißburgunder, Chardonay, Blauer Zweigelt.

Der Knielysche Weinhof gehört übrigens zu dem in diesem Jahr neu geschaffenen Weinbaugebiet Vulkanland Steiermark: 1.400 Hektar Rebfläche, die Großlagen Vulkanland und Oststeiermark, eine erstaunliche Sortenvielfalt, rund 70 familiengeführte Weingüter als vorherrschende Betriebsstruktur. Die meist jungen Winzer reklamieren für sich solche Werte wie Langsamkeit, Nachhaltigkeit und Tradition. Aber auch Trends wie die maischevergorenen „Orange Wines“ sind natürlich im Vulkanland angekommen.

Mutter und Bruder: Helga Krenn und Gabriel Kniely.

Mutter und Bruder: Helga Krenn und Gabriel Kniely.

„2016 war ein schwieriges Jahr“, so Gabriel Kniely, „im Frühjahr gab es noch Frost und im September, kurz vor der Lese, Hagel.“ Lediglich ein Viertel des Ertrags normaler Jahre lagert heuer in Knielys Keller. „Müssen die Gäste eben mehr essen als trinken.“
Was im Krenn-Knielyschen Buschenschank auf die Teller kommt, ist herzhaft und hausgemacht und in der Regel nichts für Diätpäpste und Kalorienzähler. Am besten, man bestellt eine Brettljause, da weiß man, was Sache ist: Geselchtes, Hauswürstl, Ripperl und natürlich das unvermeidliche Verhackert – frisch gehackter, gesalzener Speck, gewürzt mit Zwiebeln und Knoblauch. „Denn in da Steiermark, da san d´Leit groß und stark…“, singt der Steirer. Nach der Jause weiß man, weshalb.Kniely, Berliner Meisterköche, Steiermark036
Im Buschenschank lernte Viktoria Kniely von ihrer Mutter auch das kleine Einmaleins der Gastfreundschaft: Ein herzlicher Gruß, ein offener Blick, ein freundliches Lächeln, Interesse am Wohl des Gastes – das sind die kleinen Gesten, die wahre Gastlichkeit ausmachen.

Buschenschank Krenn/Kniely

Weinberg a. d. Raab 103
8350 Fehring
Tel. +43 31 55 – 26 05
www.buschenschank.at

Tourismuschulen Bad Gleichenberg

Tourismuschulen Bad Gleichenberg

Die Steirischen Tourismusschulen – der Plural beschreibt, dass hier mehrere Ausbildungsstätten unter einem Dach vereint sind – befinden sich in Bad Gleichenberg in einem imposanten Gebäude des an imposanten Gebäuden nicht eben armen ältesten Kurortes der Steiermark. Hans Haas, diplomierter Pädagoge, ist seit 2009 Schulleiter dieser Einrichtung. Der eloquente 60-Jährige war früher Tourismus-Manager, das merkt man.

Bevor er zu einem Rundgang durch die vor 70 Jahren gegründete Tourismusschule einlädt, lobt er deren Standort. Bad Gleichenberg habe, so Haas, mit 2.000 Sonnenstunden im Jahr das wohl mildeste Klima Österreichs, in der Umgebung gebe es viele lohnende Ausflugsziele, etwa die Gesamtsteirische Vinethek in St. Anna am Aigen, keine zehn Kilometer weg von Bad Gleichenberg, in der alle Rebsorten der steirischen Weinbaugebiete verkostet werden können.

Kniely, Berliner Meisterköche, Steiermark019

Ausbildungskabinett für Conciergerie und Reisebüro

Dass Österreich für seine Tourismus-Ausbildung weltweit Anerkennung genießt, ist längst kein Geheimnis mehr, auch nicht in Berlin. Spitzenköche wie Sebastian Frank und Lucas Mraz stammen aus Österreich, Spitzengastronomen wie Gerhard Retter und Willy Schlögl ebenso, ein halbes Dutzend hauptstädtischer Hoteldirektoren sind Alpenland-Importe. Das liegt natürlich am hohen Stellenwert des Wirtschaftszweiges bei unseren Nachbarn, also auch daran, dass sie viel mehr als hierzulande in die Ausbildung entsprechender Fachkräfte investieren. 26 Tourismusschulen gibt es zwischen Vorarlberg und Burgundenland, unter denen die Bad Gleichenberger einen Spitzenplatz einnimmt. Beweis dafür ist nicht zuletzt die Tatsache, wie gefragt Absolventen dieser Schule auf der ganzen Welt sind.
300 Schüler sind derzeit in Bad Gleichenberg eingeschrieben, die meisten leben im Internat. 25 kommen aus dem Ausland, darunter auch einige aus Deutschland. Das Motto der Ausbildung nennt Schulleiter Haas „lerning by living and doing“. Er spricht von Neugierde und Aufgeschlossenheit, von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, von Sprachkenntnissen und Umgangsformen, von Sozial-, Fach- und Führungskompetenz.

Kniely, Berliner Meisterköche, Steiermark018

Ausbildungsküche mitl allem Pipapo.

Wir sehen Ausbildungsküchen und -kabinette, von denen deutsche Schulen wahrscheinlich nur träumen können und beginnen zu verstehen, weshalb die Absolventen so erfolgreich sind.
Allerdings – die Gleichenberger Tourismusschule ist eine Privatschule, der Besuch also muss privat finanziert werden. Mal eben drei Semester Spaß haben, um schließlich doch auf Strretfood-Worker zu machen, das wäre dann ziemlich viel rausgeschmissenes Geld.

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